Es gibt auch bellende Hunde, die beißen

Eine Ausbildung beim Zoll ist eine 10-jährige Verpflichtung(Quelle: Bigstock-ID-1546624-by-Kuzma)

Diesen Hunden entgeht nichts: Sie spüren Schmuggelware wie Drogen, Tabak, Bargeld, Sprengstoff, Waffen und auch Personen auf und helfen beim Schutz unserer Landesgrenzen. Für den deutschen Zoll verrichten zur Zeit 500 ausgebildete Schutz- und Spürhunde ihren Dienst. Doch der Weg dorthin ist nicht mit Hundekuchen gepflastert: Die Ausbildung ist fordernd für Hund und Halter. Zudem ist nicht jeder Hund für den Dienst beim Zoll geeignet

Harte Schule und Dienst auf Probe

Der Zoll verfügt über zwei offizielle Ausbildungsstätten für Diensthunde in Deutschland, und zwar in Bleckede, Niedersachsen, und in Neuendettelsau, Bayern. An beiden Schulen erfolgt sowohl eine Ausbildung der Hunde zum Schutz- oder zum Spürhund. Als grundlegende Voraussetzung muss jeder Hund kerngesund sein, da der Dienst beim Zoll viel Stress für das Tier bedeutet. Dies wird bei einer gründlichen Eingangsuntersuchung des Tieres überprüft. Außerdem darf kein Hund bei Ausbildungsbeginn älter als drei Jahre sein, da die Ausbildung langwierig ist und für jeden Hund eine Dienstzeit von 10 Jahren beim Zoll vorgesehen ist. Hund und Halter werden zudem immer zusammen ausgebildet. Als Halter muss man für eine Zulassung zur Zollhundeschule mindestens eine abgeschlossene Ausbildung im mittleren Zolldienst vorweisen können und auch beim Zoll arbeiten. Bei der Schutzhundausbildung wird der Wehr- und Schutztrieb des Hundes genutzt. Hierfür kommen auch nur Hunde in Frage, die die entsprechenden Wesenseigenschaften aufweisen und die zu den sogenannten Diensthunderassen gehören. Dazu zählen unter anderem:

  • Schäferhund
  • Riesenschnauzer
  • Dobermann
  • Rottweiler
  • Hovawart
  • Boxer

Zunächst absolvieren Hund und Halter einen dreiwöchigen Vorbereitungskurs, darauf folgt eine Erholungspause und dann legen nach einem fünfwöchigen Intensivkurs Hund und Halter die Schutzhundprüfung ab. Bei der Ausbildung zum Spürhund können Hunde aller Rassen zugelassen werden. Hierbei wird der Spiel- und Beutetrieb des Tieres genutzt und sollte natürlich als Wesenseigenschaft sehr ausgeprägt sein. Häufig werden als reine Spürhunde zum Beispiel:

  • Labrador
  • Retriever
  • Cocker Spaniel
  • Jack Russell-Terrier

eingesetzt. Ansonsten spielt der Stammbaum des Hundes, sowohl bei Schutz- als auch bei Spürhunden keinerlei Rolle, Hauptsache die gewünschten Voraussetzungen sind gegeben.

Nach der Grundausbildung

Nach einem Grundlehrgang wird der angehende Spürhund in einem vier- bis sechswöchigen Lehrgang auf einen speziellen Duftstoff, wie zum Beispiel Rauschgift, Bargeld oder Waffen, mithilfe des Belohnungsprinzips konditioniert und darauf folgt noch einmal ein vier- bis siebenwöchiges Intensivtraining. Der Halter muss dabei seinerseits lernen, das Verhalten seines Hundes richtig zu deuten. Allgemein gilt für angehende Schutz- und Spürhunde gleichermaßen, dass sie nach erfolgter Ausbildung mit ihrem Halter eine Probezeit im Dienst zu absolvieren haben. Dieser Dienst auf Probe soll sicherstellen, dass Hund und Halter als unzertrennliches Team zusammenwachsen. Ein solches sollen sie in der Regel auch das ganze Leben des Diensthundes lang bleiben: Der Hund lebt während seiner gesamten Dienstzeit beim Halter als Familienhund und soll dort auch seinen Ruhestand genießen. Bis dahin haben Hund und Halter nicht nur für 10 Jahre gemeinsam ihren Dienst zu tun, sondern müssen zusätzlich alle vier Wochen zum Training und alle zwei Jahre einen Auffrischungskurs an der Zollhundeschule absolvieren. Ein Teil der Unterhaltskosten für einen Diensthund werden dem Halter übrigens vom Zoll erstattet.

Spezialisierungen für vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Der Zoll setzt seine Diensthunde nicht nur zum Grenzschutz, sondern auch zum Aufspüren von Drogen, Tabak, Bargeld und Waffen ein, und zwar besonders an Häfen, Flughäfen und an anderen Transitorten. Zudem sind für den Zoll auch einige Diensthunde zum Aufspüren von Personen und von bestimmten Tierarten im Einsatz. Von den 500 Zolldiensthunden haben knapp die Hälfte eine kombinierte Ausbildung sowohl zum Schutz- als auch zum Spürhund durchlaufen. Diese Tiere gewährleisten einerseits den Schutz von Personen und können anderseits auch illegal eingeführte Substanzen, Gegenstände und Lebewesen aufspüren und melden – Es gibt also durchaus auch bellende Hunde, die beißen!

Aktive und Passive Vierbeiner beim Zoll

Bei den Spürhunden gibt es „aktive“ und „passive“ Hunde. Aktive Spürhunde melden ihren Fund durch lautes Bellen oder Kratzen am Fundstück. „Passive“ Spürhunde geben wiederum nur unauffällige Zeichen und setzen sich einfach lautlos neben das Fundstück. Diese Tiere werden häufig dort eingesetzt, wo hoher Publikumsverkehr herrscht, wie zum Beispiel bei der Gepäckkontrolle auf Flughäfen. Hunde sind dabei für all diese Einsatzmöglichkeiten, aufgrund folgender Eigenschafften der ideale Partner:

  • Intelligenz
  • Bindungsfähigkeit an den Menschen
  • Gelehrigkeit
  • Schutztrieb
  • exzellenter Geruchssinn

Ratten beim Zoll?

Es gibt seit kurzem jedoch einige vorsichtige Versuche, auch andere Tierarten für den Dienst beim Zoll zu etablieren: Vor zwei Jahren wurden in Rotterdam, in den Niederlanden, zum Beispiel Ratten zum Aufspüren von Drogen ausgebildet – mit großem Erfolg.

Ausbildung zum privaten Wachhund

Schutz- und Spürhunde werden natürlich nicht nur beim Zoll eingesetzt. Hunde mit entsprechender Ausbildung tun ihren Dienst unter anderem auch bei der Polizei, zum Beispiel zum Aufspüren von Vermissten, oder bei privaten Wach- und Sicherheitsunternehmen. Hundeführer von Diensthunden beim Zoll oder bei der Polizei müssen immer auch selbst Zoll- oder Polizeibeamte sein. Privat können Herrchen oder Frauchen den eigenen Hund jedoch jederzeit bei entsprechender Eignung an Hundeschulen oder bei den einschlägigen Hundesportvereinen zum Schutzhund ausbilden lassen. Als Freizeitsport besteht für Halter und Hund auch die Möglichkeit, spezielle Kurse zur Nasen- und Fährtenarbeit oder zum Aufspüren von Personen, dem sogenannten „Mantrailing“, zu belegen.

 

Bildquelle: Bigstock-ID: 1546624 by Kuzma

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